Projekt Beschreibung

2008 – Elisabeth-Selbert-Seminar (Bonn)

Themen: Antidiskriminierung, Gleichbehandlung, Gleichstellung

Montag, 27. und Dienstag, 28. Oktober 2008

Traditionell geben wir unseren internationalen Forschungsseminaren einen Namen. Das Seminar des WS 2008/2009 widmen wir Dr. Elisabeth Selbert (1896 -1986).

Der 1. April 1953 war für die noch junge Bundesrepublik Deutschland ein entscheidender Tag. Ab diesem Datum waren alle Gesetze, die der Frau mindere Rechte als dem Mann einräumten, verfassungswidrig. Zuvor gab es u. a. Zölibatsklauseln im Beamtenrecht, die zur Folge hatten, dass „Fräulein Lehrerin“ aus dem Staatsdienst entlassen wurde, wenn sie heiratete. Im Eherecht galt der Güterstand der männlichen Nutznießung und Verwaltung, nach dem „Er“ entschied, was mit dem Geld angeschafft werden sollte, das „Sie“ verdient hatte.

Den entscheidenden Schlussstein auf dem Weg zur gesetzlichen Gleichstellung der Frauen in Deutschland hatte die Sozialdemokratin Elisabeth Selbert gesetzt. Mit resoluter Beharrlichkeit hatte sie für Artikel 3 Abs. 2 des Grundgesetzes („Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“) im Parlamentarischen Rat gekämpft, jener Versammlung, in der 65 stimmberechtigte Delegierte – darunter vier Frauen – 1948/49 in Bonn an der Verfassung des neu zu gründenden Staates arbeiteten.

Die gesetzliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern erscheint uns heute als Selbstverständlichkeit. Doch die Forderung, den einfachen Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ in die Verfassung aufzunehmen, stieß auf erheblichen Widerstand. Nicht einmal die eigene Fraktion stand zunächst hinter Elisabeth Selbert. Geduldig räumte sie zunächst deren Bedenken aus, ehe sie im Rat die Mehrheit für ihren Antrag erstritt. Geschickt in der Wahl ihrer politischen Mittel, schaffte sie es mit einer Übergangsregelung, die sie vorschlug, und öffentlichem Druck, den sie auslöste.

Schwierigkeiten hat sie nie gescheut. Noch im dreißigsten Lebensjahr legte die Mutter zweier Söhne 1926 die Reifeprüfung ab. Das darauffolgende Jurastudium in Marburg und Göttingen krönte sie 1930 mit dem Doktortitel. Im Nazi-Staat als eine der letzten Frauen zur Anwaltschaft zugelassen, eröffnete sie in ihrer Heimatstadt Kassel eine rasch aufblühende Kanzlei. Fortan wurde sie die Ernährerin ihrer Familie; ihren Ehemann Adam, einen sozialdemokratischen Kommunalbeamten hatten die „neuen Machthaber“ bereits 1933 entlassen. Nun zahlte es sich für die Familie aus, dass er seine Frau während ihrer Studienzeit unterstützt hatte.

Elisabeth Selbert verstand sich nie als Frauenrechtlerin. Für sie war die Frauenfrage ein Thema unter vielen, sei es im Parlamentarischen Rat, im Hessischen Landtag, im Parteivorstand oder in ihrer Kanzlei, der sie noch mit über achtzig Jahren vorstand.

Das historische Verdienst Elisabeth Selberts ist jedoch untrennbar mit dem Grundsatz der Gleichberechtigung verbunden. Ihn hat sie gegen alle Widerstände in der deutschen Verfassung durchgesetzt. Diesen Anspruch einzulösen, bleibt Vermächtnis dieser bedeutendsten der vier „Mütter“ des Grundgesetzes.

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